Montag, 17. Juni 2013

Shock-Horror!!!

Eigentlich wollte ich die Gelegenheit nutzen um mit ein, zwei kurzen Posts über meinen schönen Samstag mit nettem Besuch, meiner Odyssee am Sonntag, die sich als mein erstes offizielles Hillwalking herausstellen sollte, oder meinem angenehmen ersten Tag in den Support Services des Library HQ zu berichten. Doch eben hatte ich einen kleinen Schockmoment, den ich euch erzählen möchte. Ängstliche Leser seien hier versichert: War nix Schlimmes und die kurze Geschichte nimmt eine gutes Ende. Gleichzeitig möchte ich auch die Gelegenheit nutzen um mir mal Luft darüber zu machen, was mir in den letzten (eigentlich bisher sehr schönen) Tagen so alles über die Leber gelaufen ist.

Ich bin gerade dabei mich, mit meinem Wocheneinkauf im Einkauswagen, an den Kassen im Tesco Supermarkt anzustellen. Vorsorglich greife ich in die Tasche, um meine Brieftasche herauszuziehen... nicht da. Auch nicht in der anderen Tasche/Hose/Jacke/Rucksack... Weg! Panik! Wo könnte sie sein? Zu Hause vergessen? Möglich.

Vollen Einkaufswagen in der Gemüseabteilung geparkt mache ich mich auf den Weg in die Wohnung. Schublade?/andere Jacke?/Wechselhosen?/Schreibtisch?/Koffer?/aufm Bett?/unterm Bett?/neberm Bett?/im Müll? .. nix. Denk nach, denk nach. Der Spind auf der Arbeit! 17:45. Noch einer da? Hilft nix. Hinlaufen.

Auf dem Weg die Fragen und Gedanken: Jetzt muss ich einen neuen Ausweis beantragen. Wie mache ich das von hier aus? Wie weise ich meine Identität nach? Und wie bezahle ich den neuen Ausweis? Meine EC-Karte muss ich erstmal sperren lassen. Bekomme ich die neue Karte nach Schottland geschickt? Bestimmt nicht, hab ja bei der Bank keine Adresse angegeben. Naja, Chris (mein eigentlicher Mitbewohner in Berlin) kann die mir ja herschicken, wenn die zu Hause ankommt. Ist die neue Karte dann für Schottland freigeschaltet? Wie bezahle ich denn bis dahin mein Essen? Ob meine Krankenkasse mir eine neue Versichertenkarte ausstellt? Ich habe bisher kein dämliches Foto von mir für die neuen Karten gemacht! Muss ich das vorher noch? Wie ist eigentlich meine Versichertennummer?

Mehrere Liter Angstschweiss später, klingele ich an den Library HQ. Zum Glück arbeitet Liz heute später als sonst und ich konnte einen Blick in den Spind werfen. Da war die Brieftasche!!!. Keine Panik. Alles OK. Puh!

Zurück im Tesco steht mein Wagen noch da wo ich ihn eine knappe Stunde vorher geparkt hatte und endlich geht's an die Kasse (mit kleinem Umweg um mir noch eine 2 Liter Flasche Strongbow Cider mitzunehmen - Danke für den Tipp, Miri!).

Es ist für mich zwar nicht das erste Mal, dass ich im Ausland lebe. (Ich hab mein 15. und 16. Lebensjahr in Australien verbracht.) Aber um ehrlich zu sein: Die erste Woche war hart.

Da waren starke Kommunikationsschwierigkeiten, trotz meiner eigentlich ganz guten Englischkenntnissen. Dies betraf vor Allem die Arbeit. Da sind Schwierigkeiten dem schottischen Dialekt zu folgen. Da ist das Problem keine Leute zu kennen, mit denen man mal ewas unternehmen kann, oder generell das Problem erstmal mit entsprechenden Leuten in Kontakt zu kommen. Mir fehlt der Anschluss vor Ort.

Da ich selbst keinen Laptop, Notebook, Netbook, Tablet oder gar Smartphone besitze ist es für mich äußert schwierig mit meiner derzeitgen PC Situation diesen Blog vernünftig und meinen Ansprüchen entsprechend zu führen, denn das ist zur Zeit nicht ansatzweise der Fall. Und das finde ich Schade, denn ich denke, dass mir unter anderen Bedingungen, diesen Blog zu führen durchaus sehr viel Spass machen könnte. Zur Zeit ist es auch schwierig mit liebgewonnen Menschen, zu Hause oder auch gerade, wie ich, unterwegs im Ausland, in Kontakt zu bleiben. Selbst die Blogs meiner Mitazubis zu lesen und informiert zu bleiben wie es ihnen gerade ergeht, oder den Nachrichten aus der Heimat zu folgen ist unter diesen Bedingungen schwierig. Mir fehlt der Anschluss an zu Hause.

Das sind Dinge die nerven. Ziemlich sogar. Dinge die mich, so klein sie im Gesamtkontext dieser bisher eigentlich positiven Erfahrung auch erscheinen mögen, mich stark beschäftigt haben, die letzten Tage über. Ich hoffe mit dem Schockmoment des heutigen Tages einen Schlussstrich unter die negativen Ausläufer ziehen zu können und mich Schottland mehr öffnen zu können. Denn 7/8 der Zeit stehen mir ja überhaupt noch bevor, und es gibt noch Einiges zu sehen und zu erleben.

Oder um es mit den Worten der britsiche Kultserie Doctor Who zu sagen:
"We're all just stories in the end. Just make it a good one, eh?"

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