Dienstag, 9. Juli 2013

Libraries on tape?

oder

How to Run a Television Media Library


[An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es mir nicht gestattet ist Bilder, der besuchten Einrichtungen, auf meinem Blog zu verwenden. Eure Vorstellungskraft muss euch leider genügen.]


Was machen Fernsehsender mit ihrem gesendeten Material? Die Antwort der sechziger und siebziger Jahre war leider: löschen oder überspielen. Erst mit den Achtzigern, als Kassetten für das Beta-Format immer günstiger produziert werden konnten, kam der Gedanke auf, so viel gesendetes Material wie möglich zu archivieren. Das braucht Platz. Und dann ist da noch das Problem mit dem Format. Bleibt man bei Beta oder doch lieber VHS? Oder lieber eines der in den Neunzigern aufkommenden Formate, wie die futuristisch benannte Laserdisk? Video-CD? DVD? Blu-Ray? Diverse magnetische Bänder? Digital?

Am Mittwoch hatte ich den ganzen Tag Zeit mir diese Fragen beantworten zu lassen, als ich langsam den Glasgower Hafen (Nein, das ist kein Pub im Rotlichtviertel) ansteuerte. Die "Bibliothekare" von STV und BBC Scotland  haben mich freundlich empfangen um ihr "geheimes Wissen" mit mir zu teilen. Interessant war das beide Fernsehsender darauf bestanden, dass es sich um aktiv genutzte Bibliotheken handelt, anstatt es als Archiv zu bezeichnen. Tatsache ist, dass die Medienbibliotheken der Sender stark von journalistischen Anfragen frequentiert werden.


Beta, besser als DVD?


Da STV sich großteilig durch Werbeeinnahmen finanziert und auch nicht wirklich als großer Fernsehsender bezeichnet werden kann, war es STV bisher noch nicht möglich eine digitale Bibliothek aufzuziehen. (Mir wurde versichert, dass sich das innerhalb der nächsten zwölf Monate ändern wird.) Das ganze Material wird auf Beta-Video-Kassetten gelagert. Die Ausstrahlungen erfolgen allerdings digital in einem HD-Format. Das heißt für die Mitarbeiter, die Material benötigen: rechtzeitig Bescheid geben, einlesen und ... warten. Denn Videobänder in ein digitales Format zu überspielen und umgekehrt dauert genau so lange wie sich das Material anzusehen. Es kann nur in Echtzeit überspielt werden.

Das neue Bild- und Tonmaterial kommt (meist) schon in digitaler Form von den Filmkameras und kann direkt am Rechner bearbeitet werden. Die sogenannten Rushes (das Rohmaterial für Nachrichtenbeiträge) muss beim Katalogisieren mit Timecode indexiert werden. Dazu müssen ALLE Rushes durchgesehen werden, auch wenn nur ein Drittel des gefilmten Rohmaterials als archivwürdig deklariert und so zusammen geschnitten wird. Natürlich bevorzugt jeder Sender seine eigenen Katalogisierungsregeln, aber mir wurde erklärt, dass diese sich in den meisten Fällen sehr nahe am Archivregelwerk für ISAD(G) bewegen.

Obwohl die Arbeit mit Beta-Kassetten durch das zeitaufwendige überspielen heutzutage viel zu umständlich ist, besitzt das Beta-Format eine erstaunlich gute Bildqualität und die aufgespielte Inhalte bleiben länger erhalten als bei VHS-Kassetten, DVDs oder Video-CDs.


Digital und dann trotzdem Band?


Das Gebäude der BBC Scotland ist von außen gesehen erstmal wenig interessant: ein riesiger Glasblock am Wasser, der geradezu "Bürogebäude" schreit. Innen begegnet einem allerdings erstmal ein anderer Eindruck. Eine gewaltige Treppe aus rotem Sandstein (für den die alten Glasgower Gebäude berühmt sind) türmt sich als zentraler Versammlungsplatz in der Mitte des Gebäudes auf. Diese wurde vom Architekten so designed, dass sie von oben eine ähnliche Ansicht vermittelt wie sein Lieblingshügel in Italien.

Alle Büroräume sind am äußeren Rand verteilt und deren Besetzung wild durcheinander gemischt um Kommunikation unter den Abteilungen zu fördern. Die Bezeichnung für die Mitarbeiter, die sich um die digitale Medienbibliothek kümmern ist Media Manager oder Media Coordinator, und die benötigten Skillsets für diese Jobs schreien geradezu nach FaMIs. Die Media Manager katalogisieren, so wie schon oben erwähnt, das gesamte digitale Bild- und Tonmaterial. Ja, BBC Scotland ist, im Gegensatz zum Rest der BBC, mit kompletter digitaler Medienbibliothek ausgestattet.

Alle Dateien liegen in diversen gängigen digitalen Formaten vor und der Player der Katalogs- und Verwaltungssoftware der BBC Scotland muss diese alle lesen können, um zum Katalogeintrag auch eine Vorschau liefern zu können. Weiterhin muss dieses System auch Schnittstellen für Bild- und Tonbearbeitungssoftware aufweisen. (Avid scheint wohl die am häufigsten genutzte Softwaresuite zu sein.)

Am wichtigsten war mir an diesem Punkt allerdings die Frage: Wie handhabt die BBC Scotland die Langzeitarchivierung für digitales Material. Nun, nachdem das aufzubewahrende Material zusammengeschitten wurde, wird es von den Festplatten auf sogenannte LTO-Bänder überspielt. Und zwar zwei mal! Falls mal ein Band irgendwie zerstört wird. Die Bandanlage ist ein eigener Raum, der strikt nur von einem Roboterarm bedient wird. D.h. sofern nichts schief geht: NO HUMANS!


Den Rest des Tages ließ ich dann eher gemütlich im Kelvingrove Park ausklingen.

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