Sonntag, 30. Juni 2013

Glasgow-a-Go-Go

Rudi und David waren fast die ganze letzte Woche auf Radtour und ich hatte die riesige Bude für mich selbst. Das Wetter war grau und so ziemlich fast alles Interessante, das man nach der Arbeit ablaufen kann, war nach zwei Wochen sowieso schon ausgiebig inspiziert worden. Also verbrachte ich meine Nachmittage mit Tee und Büchern. Doch langsam wurde mir das Kleinstadtflair Stirlings zu viel und ich wollte eine Abwechslung: Glasgow!

Unter Glasgow stellt man sich ja im Generellen einen ziemlich heruntergekommen Industriemoloch vor, dessen Bewohner in dreckigen Arbeitervierteln leben müssen. - Naja, vielleicht sollte man bei diesem Klischee-beladenen Bild merken, das dies wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht. Tatsache ist: Glasgow is awesome! Zusammen mit Lydia, die ja derzeit in Edinburgh gestranded ist, machte ich mich daran am Samstag mein Klischeebild von Glasgow vom Tisch zu fegen.

Von Street-Art und anderen Kuriositäten

Verlaufen kann ich mich auf den Straßen Glasgows ganz leicht. Das ist aber gar nicht so schlimm denn alleine schon die Glasgower Straßenmusiker sind echt ein kleines Highlight für sich. Auf der Buchanan und Sauchiehall Street, die hier praktisch die Einkausmeile bilden, tummeln sich von schottischen Mittelalterbands, über Gitarristen mit Herz-Schmerz-Liedern bis hin zu Hip Hop und Break-Dance so viele Muskier, dass man manchmal kein Wahl hat als mehreren gleichzeitig zuzuhören.

Auch die ganzen Seitengassen beherbergen immer mal wieder versteckte Schätze: von Restaurants bis hin zu Märkten oder einfach nur kuriosen Shops. 

 

Mackintosh mal ohne Apfel

Jugendstilarchitekt Charles Rennie Mackintosh hat hier in Glasgow so einige Spuren hinterlassen. Lydia und ich waren uns über das erste Ziel unseres Ausflugs sofort einig:

The Willow Tearooms... sind klein und eng. Sehr hübsch designed (ich mag Jugendstil ja sowieso!) aber halt.. auch sehr funktional. Zum Glück wurden wir nicht an den einzig freien 2-Personen-Tisch platziert (den hatte wohl irgendwein armer Tölpel reserviert), denn dieser stand genau am Durchgang in die zweite Etage und hätte dafür gesorgt, dass wir reichlich Rucksäcke vorbeigehender Gäste ins Gesicht bekommen hätten. Stattdessen hatten wir den Luxus eines "geräumigen" 4-Personen-Tisch.

Earl Gey, Carrotcake, Shortbread und Scones. So lässt sichs doch Leben.
Die Glasgower Architektur ist teilweise so wild durcheineander gewürfelt, dass man gar nicht weiß wo man zuerst hinsehen soll. Aber da ich den (teilweise doch schon sehr schäbigen) 60er Jahre Bauten wenig abgewinnen kann konzentrierte ich mich lieber auf die alten Gebäude.

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Die Stadt in der Stadt


Ein absolutes Highlight war der Besuch der Nekropolis neber der Glasgow Cathedral. Diesen Namen hat der Friedhof auch mehr als verdient und das nicht nur wegen seiner Größe. Ein ruhiger und friedlicher Ort. Definitv Wert mehrmals besucht zu werden

The Chipy Doon the Lane

Wer in Groß-Britannien ist muss Fish'n'chips essen. Das weiß ja jeder! Aber Fish'n'chips ausm Imbiss am Straßenrand in einer Pappbox mit ner Holzgabel essen? Das geht doch besser!

Dafür gibt's in Glasgow The Chippy Doon the Lane. Hier kann man Fish'n'chips in gepflegter Restaurantatmosphäre  in einer Pappbox mit ner Holzgabel essen!

Glasgow fühlte sich ein wenig wie the home away from home an und wenn es sich zeitlich einrichten lässt werde ich hier die nächste Woche über wohl noch öfters mal aufschlagen.

The long arm of the library.

Outreach Services

Dies ist die Letzte der großen Abteilung, denen ich hier im Inneren der Headquarters für eine ganze Woche zugeteilt werde. Das Ziel der Outreach-Abteilung ist es die Menschen zu erreichen, die es mit eigenen Mitteln nicht schaffen die Bibliotheken zu erreichen; sozusagen der ausgestreckte Arm der Bibliotheken.

Die Outreach-Abteilung, verwaltet einen eigenen Bestand, der von Freiwilligen, Pflegern und den Mitarbeitern der Abteilung, an pflegebedürftige Menschen ausgeliefert wird. Der Bestand besteht hauptsächlich aus Hörbüchern und Büchern in Groß- und Normaldruck (inkl. ellenlange Reihen aus Cowboy-Geschichten und Schnulzenromanen). Auch spezielle Abspielgeräte für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen für die Hörbücher werden auf Wunsch zur Verfügung gestellt. (Leider sind diese Abspielgeräte ohne Brailleschrift und damit nicht komplett blindentauglich.)

Doch die Outreach-Abteilung macht noch mehr als nur für die älteren oder pflegebedürftigen da zu sein, denn die Aufgabe der Outreach-Abteilung ist es sich Gedanken zu machen, welche Menschen nicht voll von Bibliotheken profitieren können und wie man das ändern kann. So gibt es immernoch einen hohen Anteil der erwachsenen Bevölkerung, deren Lesefähigkeit nicht besonders gut ist. Die Outreach-Abteilung koordiniert mit Bibliotheken vor Ort sogenannte adult reading groups, also Lesekreise, die sich speziell mit dem Ziel der persönlichen Leseförderung treffen. Dazu zählen auch, aber nciht nur, Menschen mit Behinderungen oder anderen physischen/mentalen Beeinträchtigungen. Zu dem Zweck besitzt die Outreach-Abteilung einen Bestand an Sätzen von populären Büchern miy vherschiedenen Schwierigkeitsgraden und Länge. Ziel ist es, dass den Förderungsbedürftigen das Lesen Spaß machen soll, aber das die Texte trotzdem anspruchsvoll genug für die Gruppe sind, um nach dem Lesen noch für Rede- oder Diskussionensstoff zu sorgen.

Die Arbeit der Outreach-Abteilung zeigt deutlich auf, dass die soziale Komponente in der Öffentlichen Bibliotheksarbeit in Schottland ein fester Bestandteil ist, und erreichbar zu sein heisst hier mehr als nur die Bibliothekstür für die Nutzer zu öffnen.

Networking?

Montag war mein erster Tag in der Outreach-Abteilung und dieser startete sogleich mit einer Konferenz zum Thema Demenz am Dementia Centre der Universität Stirling. Stirling hat es sich zur Aufgabe gemacht die erste Demenz-freundliche Stadt in Schottland zu werden, und das heißt harte Aufklärungsarbeit und vor Allem: Kontakte knüpfen! Diverse Freiwilligen-Organisationen, Pflegestellen, Nachbarschaftshilfen, städtische/staatliche Einrichtungen und Universitätsmitarbeiter trafen sich zu einem großen Meet-and-greet, wo Jeder fröhlich mit Jedem darüber quasseln soll, was er alles zur Förderung dieser Idee beträgt und schön Telefonnummern austauscht.

Der Vormittag gestaltete sich hauptsächlich dadurch, sich diverse Reden zu Ursachen, Umgang und Bedürfnissen der Betroffen anzuhören. Sehr interessant dabei fand ich den Beitrag von Niall McLaughlin, einem Architekt, der ein Pflegeheim, mit diversen Gärten, designed hat und die Aspekte Demenz-freundlichen Wohnens beleuchtete. Das Hauptaugenmerk sollte bei Demenzkranken nämlich darauf liegen sie so lange wie möglich in einem bekannten Umfeld leben zu lassen. Aber eine Demenz-freundliche Stadt heißt vor Allem community-effort, also das Engagement eines Jeden und Integration von Demenzkranken in soziale Projekte. Aus diesem Grund wurden auch alle Teilnehmer aufgefordert ein schriftliches Versprechen abzugeben, wie sie die Idee des Demenz-freundlichen Stirlings umsetzen wollen.

In der Mittagspause begann dann das Networking, aus dem ich mich schön Außen vor ließ, während Liz und Morag fleissig "connections" pflegten. Der Höhepunkt, dieses Treibens stellte dann für mich doch die Fernsehkamera da, die in mein Gesicht geschoben wurde als ich nach meinem persönlichen Versprechen für ein "dementia-friendly Stirling" gefragt wurde. Mit einem halben Sandwich im Mund lehnt ich es dankend ab gefilmt zu werden und verzog mich hinter den Stand der Bibliothek.

Es folgten dann noch einige weniger erwähnenswerte Workshops und Abschlussgespräche.

Durchaus ein sehr interessanter Tag und hilfreich um Verständnis für die Situation Demenzkranker zu entwickeln. Das Konzept einer Demenz-freundlichen Umgebung ist eines das in Stirling und anderen Kleinstädten sicherlich mit viel Arbeit erreichbar sein kann aber auch leider eines, das auf Großstädte schwer umzusetzen sein wird.

Montag, 24. Juni 2013

Just a model?

Battery exhausted. - Diese Hiobsbotschaft verkündete mir meine Kamera fröhlich während ich mich am Samstag entlang des Flusses Teith von Deanston aus Richtung Doune bewegte.


Der letzte Schnappschuss vor dem Batteriekollaps.

Leicht verärgert über die Kurzlebigkeit meiner Batterien, aber noch sehr erheitert durch die Whiskeyverkostung, stapfte ich im, plötzlich hereinbrechenden, Regen, über die Brücke und immer die Straße entlang, durch die Ortschaft Doune, die im Gegensatz zu Deanston, zwar ganz hübsch anzusehen aber auch keinen Deut größer ist. Doch der Ort war ja nicht mein eigentliches Ziel, denn ich befand mich auf einer Pilgerreise nach...



Naja fast. Doune Castle diente als einer der Schauplätze für Monty Python and the Holy Grail und fast alle Szenen, in denen irgendwie eine Burg vorkommt, wurden hier gedreht, denn der National Trust for Scotland verbot die Dreharbeiten bei den meisten anderen Burgen, die Monty Python für ihren Film nutzen wollten. So musste Doune Castle für diverse fiktive Burgen im Film modellstehen.
Allerdings konnte ich mich nicht vollen Herzens dazu durchringen hierfür mal wieder Eintrittsgeld hinzublättern, besonders da mir schon im vorraus erzählt wurde, dass mich im Inneren wenig historisches über die Burg, sondern mehr eine Art Monty Python Fanmuseum erwartet. Mir war nur wichtig wenigstens einmal den Drehort des Kultfilms gesehen zu haben, wenn ich schonmal hier bin.

Auch der beliebte Wanderpfad entlang des Flusses wurde besichtigt. An diesem empfand ich allerdings nur die Stelle als wirklich bemerkenswert an der man auf einem winzigkleinen Kieselsteinstrand stehen kann, während der Fluss Teith seelenruhig in absolutem Schneckenempo an Einem vorbeifliesst, um dann wenige Meter weiter vorne durch den hinzuströmenden Ardoch Burn aufgewühlt zu werden. Eine Stelle die auch einige Reiher nuzten um hier auf Fischfang zu gehen.

Leider hinterlies der plötzliche Regenschauer dieses Tages, trotz angemessener Kleidung, bei mir mehr als nur ein paar nasse Füße und mein, für Sonntag geplanter und sehnlichst erwarteter, Ausflug in den Trossachs Nationalpark (oder zumindest dem Teil des Parks derfür mich noch gut erreichbar ist) sollte fürs erste flach fallen. Aber wenn man schon irgendwo einen kompletten Tag nur mit Teetrinken verbringen muss um seine Batterien wieder aufzuladen, dann ja wohl in Großbritannien.

Sonntag, 23. Juni 2013

The angel's share

Was wäre ein Aufenthalt in Schottland ohne den Besuch einer Whiskeybrennerei und die Deanston Distillery wurde mir von meinen Arbeitskollegen wärmstens empfohlen.

Der Ort Deanston an sich wäre ohne die Brennerei alleine sicherlich keinen Besuch wert. Im Gegensatz zu den schottischen Ortschaften die ich bisher besuchen konnte, wirkt Deanston sehr trist und wenig einladend. Auch das Backsteingebäude der Brennerei macht von außen erstmal wenig her. Aber das soll sich innen noch ändern.

Die Luft um die Brennerei riecht süßlich ... wie Honig... und irgendwie fruchtig, ein wenig nach Banane und vielleicht auch Apfel.

Ich betrete das Besucherzentrum der Brennerei: Whiskeygläser aus Krystallglas; federleichte Hornschalen, die fast aussehen wie ein Quaich. Die Versuchung, wie verrückt Geld auf den Kopf zu hauen, ist hier ebenso groß, wie bei meinem ortsansässigen Kiltschneider in Stirling. Doch erstmal will ich mich mit der Führung zufrieden geben.

Deanston ist unter den Whiskeybrennereien etwas ganz besonderes. Zum Einen ist es die südlichste Brennerei die noch behaupten darf Highland Whiskey hersustellen und zum Anderen hat die Brennerei nicht als solche angefangen, sondern war früher eine Baumwollmühle.  Die beiden Wasserräder die früher die Mühle angetrieben haben, wurden mittlerweile durch Turbinen ersetzt. Ja, die Deanston Brennerei produziert ihren eigenen Strom und zwar mehr als für die Brennerei alleine notwendig ist, weshalb 75% der Stromproduktion ins öffentliche Netz gespeist werden.


Die Deanston Brennerei ist auch sehr stolz darauf alles noch in "Handarbeit" zu machen und ihren Whiskey nach traditionellen Methoden herzustellen, obwohl die Brennerei tatsächlich erst 1965 zum ersten Mal als solche in Betrieb genommen wurde. Sie ist auch eine von nur vier Brennereien in Schottland, die noch mit einem offenen Maischebottich arbeitet.

Nachdem das Gerstenmalz gemahlen wurde, wird es im offenem Maischebottich mit heißem Wasser angesetzt.

Die Gärtänke verströmen einen angenehmen süßen Geruch.


Die Form der Brennblase ist maßgeblich für den Geschmack des Destilats.

Für den Deanston Whiskey werden ausschließlich ehemalige Bourbon Fässer aus Kentucky genommen.

Mindestens 3 Jahre und ein Tag muss Whiskey gelagert werden, bevor er sich so nennen darf.

Ausserdem wurde in der Brennerei der Film "Angel's Share" gedreht, der, wie mir versichert wurde, "a very Scottish film" ist. The angel's share, ist übrigens der Anteil am Whiskey, der während der Lagerung in den Holzfässern über die Zeit verdunstet und das können immerhin bis zu 2% sein. Ganz schöne Schluckspechte, die schottischen  Engel.



Zum Abschluss der Tour wurde mir dann im Verkostungsraum noch beigebracht, wie man Single-Malt Whiskey richtig zu trinken hat. Angetan von der Tour und dem überraschend milden Whiskey machte ich mich weiter auf die Socken. Denn die Ortschaft Doune liegt praktisch auf der anderen Seite des Flusses und hält noch ein Ziel für mich parat, das ich mir nicht entgehen lassen will.

Second week of work

Achtung! Achtung! Jetzt wirds bibliothekarisch! 

Menschen mit geringer Aufmerksamkeitsspanne, Narkolepsie, Bibliophobie oder Adrenalin-Sucht sollten ruhig den folgenden Eintrag überspringen.

Support Services


Was ist das genau? - Hinter dem Begriff der Support Services versteckt sich in den Library HQ die Erwerbungs- und Zugangabteilung, sowie auch gelegentliche Fernleihanfragen. Hier wird der Bestand der insgesamt 15 Bibliotheken, 2 Fahrbibliotheken und des "Magazins" der HQ aufgebaut. 

Die einzelnen Bibliotheken haben zwar gesonderte Etats, verfügen aber, anders als ich es aus der Praxis in Deutschland kenne, nicht komplett selbstständig über diesen. Die Bibliotheken innerhalb des Stirlinghshire berechnen den Nutzern keine Transportgebühren und verteilen die zu erwerbenden Medien so, dass nicht jede Bibliothek zwingend ein Exemplar bekommt, sondern so, dass genug Exemplare in bestimmten Gebieten vorhanden sind oder nur in den HQ und Fahrbibliotheken. (Bestseller und Alles was man als Grundbestand ansehen kann werden natürlich trotzdem mit einem Exemplar pro Bibliothek bestellt.) Um dieses zu koordinieren treffen sich die Bibliothekare aus den verschieden Bibliotheken einmal die Woche zum Meeting in den HQ. - Ich habe bisher schon öfters den Entscheidungsfindungsprozess in den Stirlinger Bibliotheken kennenlernen dürfen und war überrascht wie schnell und effektiv dieser von statten geht. Wo ich bisher immer der Meinung war es herrscht im Bibliotheksbereich der Grundsatz "Zwei Bibliothekare, drei Meinungen" vor, wurde ich eines Besseren belehrt.

Die Medienbestellungen an sich laufen über die Webseite der Bibliothekslieferanten und werden mit allerhand Komfortservices begleitet. Zuerst einmal hat jede Bibliothek ein eigenes Konto, um die individuellen Bestellungen aufzugeben. Diese sammeln sich dann im Konto der HQ an und werden dann zusammen als eine Bestellung abgesendet. Dadurch ist später auf dem Lieferschein sofort ersichtlich für welche Bibliotheken die einzelnen Exemplare gedacht sind. - "Doch halt!", denkt sich der deutsche Bibliothekar in meinem Kopf. "Die haben doch noch gar kein Katalogisat, das muss man doch jetzt erst noch umständlich im Nachhinein erstellen." - Nö!

Die BDS (Bibliographic Data Services) haben die Daten schon zentral aufgenommen und versenden diese im MARC-Format. Der Bibliothekslieferant schickt den HQ also, nach erfolgter Bestellung, die Katalogdatensätze im MARC-Format, ganz simpel per E-Mail, zu und innerhalb einer Minute sind diese vom Bibliothekssystem Evergreen aufgenommen.- "Ja, ja, ist ja schön und gut, aber wenn man die Bestellungen extern, über eine Internetseite und nicht intern, über ein Bibliothekssystem aufgibt, dann hat man doch die ganzen Bestelldaten gar nicht im System, das ist doch viel zu kompliziert", meckert der deutsche Bibliothekar in meinem Schädel munter weiter.

Es folgt eine zweite Mail mit dem sogenannten EDI-Quote. EDI steht für "electronic data interchange". Durch dieses Verfahren werden alle Bestelldaten sofort vom Evergreen System übernommen: Bestellungen mit Bestellnummern; Anzahl der bestellten Einzelexemplare; Zielbibliothek; Exemplardatensätze; vorläufige Barcodes zur individuellen Exemplarunterscheidung; DDC-Klassifizierung. Alles jetzt angelegt.

Dementsprechend werden die eingetroffenen Medien nur über ihre, auf der Rechnung vermerkte, Bestellnummer aufgerufen, als eingetroffen markiert, mit der Rechnungsnummer verknüpft und der berechnete Betrag in Evergreen eingetragen. Die Kontrolle der rechnerischen Richtigkeit übernimmt also Evergreen während das Kontrollieren auf sachliche Richtigkeit natürlich auch hier per Hand nach dem Eintreffen der Medien geschieht. Die Medien werden schon vollständig mit Barcode und RFID-Tag versehen geliefert, die allerdings erst noch eingelesen/aktiviert werden müssen. Weiterhin sind die Bücher auch schon mit Schutzfolie, bzw. bei den Paperbacks in den Standardgrößen mit Bookjackets (die ich persönlich wesentlich angenehmer finde als diese $#@%! Schutzfolie, die ich immer erst nach einem Kleinkrieg dazu bekomme am Buch und nicht an mir selbst zu kleben) versehen. Für diesen Service berechnen die Bibliothekslieferanten eine kleine Gebühr, so um die 30p, die bei einem Bibliotheksrabatt von 41% (!!!) allerdings verschmerzbar ist. Weitere Zugangs- oder Inventarnummern entfallen. Auch ein Besitzstempel wird nicht gesetzt. (Der deutsche Bibliothekar in mir vermisst das Stempelgeräusch sehr!)

Der Signaturdruck darf natürlich nicht fehlen. An dieser Stelle sei gesagt: Ich mag Dewey nicht! Zumindest nicht für eine Öffentliche Bibliothek. Teilweise haben Bücher eine DDC-Klassifizierung mit gefühlten hundert Stellen nach dem Punkt. (Solche Klassifizierungen werden sowieso alle auf max. 6 Stellen reduziert.) Auch dass die Stirlinger Bibliotheken den "adult fiction" und "junior fiction" Kategorien keinerlei Signatur geben, ist sehr ungewohnt, vor Allem wenn man versucht sich "schnell" mal am Regal zu orientieren.

Aber davon mal abgesehen geht die Zugangsbearbeitung hier schnell. Sauschnell! Es war definitiv nicht die anspruchvollste Arbeit, aber eine die mir, durch ihre Schnelligkeit, riesig viel Spaß gemacht hat. Ich weiß nicht durch wie viele Boxen ich mich so die letzten Tage über durchgeackert habe, aber an einem bestimmten Punkt waren es meine schottischen Kollegen, die mich dazu nötigten auch mal anderen Aufgaben nachzukommen, oder mich einfach kurzer Hand für eine Tour in den Lieferwagen setzten, damit ich auch mal was Anderes sehe.

Nächste Woche werde ich dann in der Outreach-Abteilung eingebunden und der Montag beginnt schon gleich mit einem Seminar über Demenz an der Stirlinger Universität.

Mittwoch, 19. Juni 2013

"Not all those who wander are lost" - Dumyat

Sich von Stirling aus in die umliegenden Hügel zu schlagen ist echt nicht einfach. Das eigentliche Besteigen der Hügel ist dabei, bei Weitem, noch der einfachste Teil.

Bisher scheiterte jeder meiner Versuche einen Weg in die Hügel zu finden daran, dass diverse Straßen spontan meinten ihre Bürgersteige einzustellen, um sich in Auotbahnen zu verwandelten, oder die Landschaft mir Hindernisse wie Mauern, Zäune oder diverses Farm- und/oder Ackerland in den Weg stellte.

Das konnte ich mir doch nicht bieten lassen. Wozu bin ich denn hier? Doch Sonntag sollte endlich der Tag werden!

Bei vollkommen untypisch schottischem Wetter, mit strahlendem Sonnenschein und brütender Hitze, schlug ich mich nahe des Abbey Craig (das ist der kleine Hügel auf dem das Wallace Monument steht) immer weiter nordwärts, erstmal Richtung Stirling University und mich begrüßte ein bekanntes Bild.

Ein vermeintliches Ziel?
Diesmal werde ich mich nicht aufhalten lassen, weder von idyllischen Seen, noch von spontan in der Landschaft erscheinenden Schlösschen.


Airthrey Castle
Kurze Zeit später fand ich mich an einem Waldstückchen wieder, dass mit einem Public Walkway Schild ausgestattet war:


Immer höher führten mich die verschlungenen Waldpfade bishin zu einem Tor, dass mich auf die Landstraße führte, die Bridge of Allen, Dunblane und Stirling miteinander verbindet. Unsicher aber unbeirrt, dass dies nicht alles sein kann, folgte ich der Straße.

Speak 'friend' and enter.



Doch, je höher ich stieg um so enttäuschter wurde ich. Denn die Landschaft war sehr daran interessiert mir Hindernisse wie Mauern, Zäune oder diverses Farm- und/oder Ackerland in den Weg zu stellen. Diesmal sogar mit netten Schildchen.

Dogs will be shot
Als ich kurz davor war entmutigt wieder nach Stirling zurück zu marschieren, kamen mir zwei Schottinnen mit Wanderrucksack entgegen. Wenn einer weiß wie ich weiterkomme, dann ja wohl die Beiden. Die netten Damen erklärten mir sogleich, dass ich durchaus an der richtigen Stelle bin, denn in Schottland wurde die alte Tradition auf das Anrecht des Einzelnen Landbesitz zu Erholungszwecken zu durchqueren, solange man das Land und darauf befindliche Vieh respektiert, seit 2003 gesetzlich festgehalten. Das ist das schottische "right of way". Ich musste nur ein paar Meter zurück zu einem Gatter laufen und von dort startete endlich mein erstes schottisches Hillwalking.

Na dann, auf nach: Dumyat.

How rude!






"Ach Angus, I hae build the fence o' the way throo. Now, I cannae build a gate ther'. O well, better wedge that wee bench i' ther' so we can climb over, aye?"
Auf dem Gipfel angekommen bewunderte ich den tollen Ausblick und wünschte mir sehnlichst eine Kamera, die Diesem auch gerecht werden könnte.




Auf dem Gipfel hat wohl jemand seinen Metaleimer mit Steinen vergessen, na der wird sich ärgern, wenn er das zu Hause feststellt.

Auf dem Weg zurück nach Stirling beschloss ich, statt des Waldwegs lieber der Landstraße, vorbei an der Old Logie Kirk und der neuen Logie Kirche (man kann ja mal zwei nebeneinander haben) zu folgen.

Old Logie Kirk

Von hier aus kann man wunderbar den Bus zurück nach Stirling nehmen. Das ist auch gut so, denn an diesem Punkt meint die Straße nach Stirling spontan für die nächsten paar-hundert Meter (und wirklich nur für diese kurze Strecke) ihre Bürgersteige einzustellen, damit man es den wandernden Touris auch nicht zu einfach macht.




Wer sich übrigens mal sinnvoll über seine Zugangsrechte beim Wandern in Schottland informieren will, dem sei an dieser Stelle diese Inernetseite empfohlen: http://www.outdooraccess-scotland.com/