Mittwoch, 24. Juli 2013

"A drumme, a drumme, Macbeth doth come"

Es ist schon praktisch, wenn auch noch andere Leute in Großbritannien unterwegs sind. So kann man zusammen Einen drauf machen. Diesmal in London. Lydia kam aus ihrem Praktikum in Weymouth angereist, Elisabeth gesellte sich aus Cambridge, an ihrem letzten Wochenende in GB, dazu, Zeinab wohnt zur Zeit sowieso in London und Markus, der kam einfach so vorbei. Schon vor ein paar Monaten als unsere Abreisen nach GB noch gar nicht stattgefunden hatten, verabredete sich unsere kleine Truppe, um ein Stück im Shakespeare's Globe im Herzen Londons anzusehen. Was haben wir uns angesehen? The Scottish Play, natürlich!


Macbeth ist für mich ein ganz besonderes Stück. Es war mein erster richtiger Kontakt mit Shakespeare und ist bis heute eines meiner Lieblingsstücke geblieben. Auch die diversen Verfilmungen von Welles, über Kurosawa, bis hin zu Polanski, zieren meine private Sammlung zu Hause. Das wir uns also alle treffen um ausgerechnet dieses Stück zu sehen, war ein absolutes Highlight für mich.

Shakespeare's Globe ist eine Rekonstruktion des Globe Theatre, und versucht so nah wie möglich dem original elisabethanischen Theater treu zu bleiben. Dabei gehen die Aufführungen sogar noch einen Schritt weiter. Natürlich werden weder Mikrophone noch Musikanlagen benutzt und Scheinwerfer werden auch nur so dezent wie möglich eingesetzt, um die Sichtbarkeit der Bühne zu gewährleisten. Aber auch auf, zu elisabethanischen Zeiten gängige, ''special effects'', wie Blitzpulver oder Metallkugeln in einer Blechrinne (für Unwetter und Donner) wird verzichtet. Stattdessen wird Atmosphäre durch damals vorhandene Instrumente erzeugt... und das nicht zu knapp.


Was soll ich sagen? Die Auftritte der Hexen waren magisch faszinierend und sie tauchten auch zwischen ihren Szenen immer mal wieder auf. Sie streuten während Macbeths Krönung Blumen von den Rängen oder tauchten ganz kurz am Ende einer Kampfszene aus dem dunklen Hintergrund auf um sich der ''Leiche'' zu bemächtigen (Zungen und Augen kann man für Zaubertränke immer gebrauchen). Ihre Rolle in Macbeths Schicksal wurde Einem so immer wieder vor Augen geführt.

Die Besetzung und die Kostüme waren großartig!

Billy Boyd als Banquo

Der Shop des Shakespeare's Globe ist unglaublich lohnenswert und die Entscheidung was ich mir nun als Andenken mitnehmen soll, viel mir so schwer wie noch nie auf dieser Reise.


Die sonstige Zeit in London verbrachten wir mit lustigen Aktivitäten, wie:

Tourist sein:

Fotomania

Bei Zeinab abhängen (und danke für die Schlafplätze!):

Durch die Straßen wandern:

Und obligatorische Gruppenfotos schießen:


Hey, wie wäre es denn wenn wir mal ein Foto schießen, wo alle total gut-aussehend super freundlich Lächeln, und nicht völlig zerzaust in die Kamera kucken, als ob sie gerade völlig auf Drogen sind? OK?


3

2

1

Lächeln!


*grins*        *grins*      *derp*      *grins*
Hm, ich glaub das muss ich nochmal üben...

Montag, 15. Juli 2013

Catch me, if you can

Mhh, irgendwie hinkt mir mein Blog gerade zu sehr hinterher. (8 Tage um genau zu sein.) Höchste Zeit mal aufzuholen. Deswegen gibt's jetzt einen Wocheneintrag im Blitzformat (d.h. ihr müsst schneller scrollen und dabei *Whooosh*-Geräusche machen).

Hurra! Hurrah! It's Edinburgh!


Am Samstag war für mich endlich Halbzeit (freudiger Anlass 1) und außerdem konnte ich an dem Tag einen kleinen Abstecher nach Edinburgh machen und dort mit Lydia und Lisi (hoher Wochenendbesuch aus Cambridge) die Straßen, Parks und Lokale durchstreifen (freudiger Anlass 2). Lydia gab für Lisi und mich die Reiseführerin und hatte eine ganze Palette an Aktivitäten parat. Hier als eine Auswahl an dem, was ich dort so getrieben habe:


Britisches Frühstück
Oh Essen. *knipps*
Original britisches Frühstück und sogar 100% Bio. Mein erster Blackpudding. Durchaus lecker. Würde ich jederzeit einfacher Blutwurst vorziehen.

Statuen 'Hallo' sagen
Hey Sherlock! (Natürlich mit 'nem dämlichen Deerstalker aufm Kopf.)

Schiffchen kucken
Die HMY Britannia. 
Ein 1997 außer Dienst gestelltes Schiff auf dem früher mal so allerhand "Nobility" durch die Meere geschippert ist. Liegt im Hafen von Edinburgh sicher hinter einem riesigen Kaufhaus versteckt. Wer sie sehen will zahlt brav £12 und darf durchlaufen oder geht einmal ums Kaufhaus 'rum, leistet den Mülltonnen Gesellschaft und kann so aber nette Fotos machen.

Spazieren gehen
Brücken. Ich mag sie. Aber sie wollen nur Freunde bleiben.

Ey, ey, kuckt mal wie toll ich bin. Ich kann voll die artsy Fotos schießen. Ach Sch... verwackelt.

Sightseeing
Ich weiß' jetzt zwar mehr nicht genau was für ein Gebäude das ist. Aber ich find's hübsch!

Greyfriar Friedhof.

Sir Walter Scott Monument

Die National Gallery besuchen
Die Sammlung der National Gallery ist wirklich schön und ich hatte schon am Donnerstag die Gelegenheit ergriffen hier kurz reinzuschnuppern. Fasziniert haben mich dabei die Werke in der Galerie mit schottischen Künstlern, besonders diese Beiden von Sir Joseph Noel Paton.
Luther at Erfurt, 1861

The Quarrel of Oberon and Titania, 1850
Samstag entdeckte ich dann diesen illustren Gesellen für mich. Leider habe ich mir nicht notiert wie das Werk heißt oder von wem es stammt. Vielleicht hat er ja was mit den Beiden Gesichtern im nachfolgenden Video zu schaffen?



Über Dudelsackbands diskutieren


The Spinning Blowfishs


Das Meer besuchen 
Gruppenfoto!!!


Lecker asiatisch Essen gehen
To instagram or not to instagram, that is the question.
Wagamama! Was? Nein! Das war kein Ausruf der Freude, so heißt die Restaurantkette. Das Essen kann sich durchaus sehen lassen und war nur halb so schwierig mit Stäbchen zu verdrücken wie gedacht. Wer ganz dreist als Getränk nur den kostenlosen grünen Tee bestellt, bekommt die giftigen Blicke der Kellnerin sogar noch gratis obendrauf!

Parks besichtigen...

...und Debatten über die Gefahr massenmordender, kannibalistischer Grauhörnchen führen.

Einen frittierten Mars-Riegel probieren
THE DEEP FRIED MAAAAARS BAAAAAAR!
Ich muss ja leider zugeben, das Ding schmeckt! Aber mehr als zwei Bisse schreien ja gerade zu nach Arterienverstopfung.  Angeblich hat so ein frittierter Riegel 1000 Kalorien.

In den Sonnenuntergang schaukeln
Man ist nie zu alt für 'ne Schaukel.

Und zum Abschluss des Abends noch 'nen Pub besuchen
[Nein dazu gibt es mal keine Bilder. Zumindest keine guten. Wahrscheinlich sollte ich das Fotografieren von Personen in dunklen Räumen lassen. Oder lernen schneller zu rennen als die Opfer meiner Fotokunst.]

The postman always rings twice


Nächste Woche darf ich endlich mal mit den Fahrbibliotheken mitfahren und die kleineren Siedlungen im Stirlingshire besuchen. Einen Vorgeschmack darauf habe ich schon Montag und Dienstag bekommen als ich mit Stephen im Lieferwagen mitfahren durfte und so die, mir noch unbekannten, Bibliotheken der Stirling Council Libraries und umliegende Landschaft sehen durfte.



Family History


Den Donnerstag durfte ich im Archiv bei Pam und ihren freiwilligen Helfern verbringen. Diese verbringen ihre kostbaren Tage damit den Bestand zu indexieren. Im Archiv lagern diverse Kostbarkeiten, wie der Nachlass einer ehemals reichen und wichtigen schottischen Familie, die mittlerweile durch unglückliche Umstände komplett ausgelöscht ist.

Ich hab gelernt, dass Kirk Sessions die Sitzungen waren, in denen Menschen damals für ihre "Sünden" vor Gericht standen und dass die Aufzeichnungen über diese Sitzungen für die Ahnenforschung eine zentrale Rolle spielen, da sich viele Sitzungen mit der Zeugung unehelicher Kinder beschäftigten.

Generell war Ahnenforschung DAS Thema im Archiv. Das ist hier in Schottland sowieso ein großes Hobby. In jedem Schreibwarenladen/Buchhandlung/Zeitungsladen gibt es Bücher mit so Titeln wie: "The castles of the clans of Scotland" oder "Clans and their tartans".

St Ninja?


Freitag! Whohoo! Der Tag an dem ich endlich mal vollen Publikumsverkehr abbekommen kann.

St Ninians liegt mitten in Stirling (hübscher Stadtteil) und die Bibliothek ist relativ gut besucht. Auch bei 28 Grad und prallem Sonnenschein haben es sich die Schotten nicht nehmen lassen sich Wochenendlektüre auszuleihen. 

Ich hatte es ihnen gleich getan und mir für dieses Wochenende vorgenommen mal nirgendwo hin zu fahren, denn am 19. geht's gegen Abend mit dem Bus fürs Wochenende nach London und dafür leg' ich lieber erstmal ein bisschen Geld zur Seite, denn die Reise von Schottland nach London ist nicht vielleicht preiswert aber dafür lohnenswert.

Donnerstag, 11. Juli 2013

"The only art school in the world where the building is worthy of the subject"

Da stand ich Freitag nun also vor dem, von Charles Rennie Mackintosh designten, Gebäude der Glasgow School of Arts. Und war irgendwie nicht beeindruckt. Klar, schon ein tolles Design. Aber wieso von dem Gebäude so geschwärmt wird entging mir in dem Moment. Das sollte sich noch ändern.

Man erfährt als unbedachter Fußgänger das Mackintosh-Gebäude der GSA nicht richtig. Man darf es nicht einfach nur von der Straßenebene aus anstarren. Man muss es aus der Distanz sehen. Man muss es von oben betrachten. (Dafür werden einem netterweise im angrenzenden Shop/Museum Modelle zur Verfügung gestellt.) Man muss es durchstreifen und seine Einrichtung auf sich wirken lassen (Dafür werden Führungen angeboten). Und natürlich muss man in seiner Bibliothek gestanden haben. Aber zu der komme ich gleich.

Erstmal musste ich eines der Seitengebäude betreten, denn die Bibliothek im Mackintosh-Gebäude ist nicht einmal für die Studenten zugänglich. An der Tür begrüßte mich meine Führung für den heutigen Tag, die charmante Jennifer. Jennifer ist, nach abgeschlossenem Bachelor in Bibliothekswissenschaften, selbst gerade dabei an verschieden Bibliotheken kleinere Praktika zu machen und sich auf ihr weiterführendes Studium vorzubereiten. Da kam natürlich sofort die mir allseits bekannte Frage auf: "At which university are you studying?" Zum Glück wurden mir ähnliche Fragen ja schon seit vier Wochen gestellt und ich bin mittlerweile geübt darin Briten das deutsche Ausbildungssystem zu erklären.

Im Lesesaal des Bibliotheksgebäudes hatte Jennifer ganze Tischreihen, mit Besonderheiten aus dem Raritätenbestand, für mich gefüllt und ich war von den Socken. Da war zuerst einmal der übernommene Bestand an Design- und Musterbüchern von Stoddard International, früher einmal einer der größten Teppichhersteller auf der Welt. (Die Firma hat u.a. die kompletten Teppiche für die Titanic designed und hergestellt.) Diese Bücher wurden als Inspirationsquelle für neue Designs genutzt und quollen nur so über von zusammengesammelten Zeichnungen aus den verschiedensten Ländern, vor Allem aber Japan und China.

Die anderen Objekte (man muss sie als solche Bezeichnen), die Jennifer für mich herausgesucht hatte waren Kunstbücher. Nein, keine Bücher über Kunst, oder mit Kunstdrucken oder Ähnlichem. Es waren Bücher als Kunstwerke. Oder waren es Kunstwerke, die man wie Bücher lesen soll? Das war manchmal schwer zu unterscheiden. Da waren ganz simple Sachen, wie handgebundene Notizbücher, deren Schnitt so bemalt wurde, dass es ein eigenes Bild ergab, während die Skizzen auf den einzelnen Seiten mit diesen Randzeichnungen verschmolzen. Oder so Abstraktes wie eine Box mit einem kleinen Glas, in dem sich ein Pferdehaar, ein Stein und ein Stück Holz befand, und einigen kleinen Heftchen, die exakt beschrieben, wo der/die Künstler/in diese Materialien gesammelt hatte. Sind die Hefte das Buch und das Glas Anschauungsmaterial? Oder soll nicht viel eher der Inhalt des Glases gelesen werden und die Hefte fungieren hier nur als Anmerkungen?

Wie man solche Bücher entsprechend katalogisiert ist ein Diskussionsthema für sich. RAK bringt da sicher wenig. Diese Bücher müssten bis ins Details beschrieben werden (Material, Bindung, exakte Inhaltsbeschreibungen u.ä.) und mit Bildern im Katalog versehen werden. Und wie macht man das mit der Restauration? Vor Allem, wenn Künstler selbst hergestelltes Papier verwendet haben? Da ist man sich in der GSA Bibliothek immer noch sehr uneinig, denn auf diesem Feld der Bibliotheksarbeit muss noch viel Forschungsarbeit geleistet werden. Falls also jemand mal in seinem zukünftigen Bibliothekswissenschaftsstudium eine gute Idee für eine Hausarbeit braucht...  

Zum Abschluss bot Jennifer mir noch an, mich durch das Innere des Mackintosh-Gebäudes zu führen und ich nahm freudig an. Die Eingangshalle ist gesäumt von kleinen Mosaiken großer Denker und in den Fluren stehen meisterhafte Statuen. (Ist das eine Kopie der Venus von Milo? Oh, und da hinten Laokoon und die Schlange!)

Die Bibliothek im Mackintosh Gebäude wird von braunschwarzem Holz dominiert und soll, laut gängigster Interpretation des Raumes, den Eindruck eines Waldes vermitteln. Tatsächlich war das auch das Erste an das Ich beim Betreten denken musste. Das lag jedoch eher daran, dass die Luft so stark von dem Holzduft gesättigt war, dass man den diesen immer in der Nase hatte, jedoch wiederum nicht so stark, dass er sich aufzwang. 

Da mir auch hier eigene Fotos verboten wurden, verweise ich an dieser Stelle lieber auf Bilder der Bibliothek, die so schon im Netz rumschwirren:

Von dieser umfangreichen Führung begeistert verabschiedete ich mich von Jennifer und nutzte den restlichen Tag für einen Abstecher ins Kelvingrove Museum am gleichnamigen Park. (Denn Beide sind einfach nur f**king awesome!)

Wer selbst mal einen Blick in den Bestand werfen will, oder sich einfach generell über die GSA informieren will, dem seien diese Seiten ans Herz gelegt: 

Mittwoch, 10. Juli 2013

Of old tomes and gramophones

Ich will ehrlich sein. Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass Lydia einen Platz in der National Library of Scotland bekommen hat, war ich schon ganz schön neidisch! Eine Nationalbibliothek: Der Spielplatz in dem ein Bibliothekar noch richtig Bibliothekar sein kann und die Geheimnisse alter Zettelkataloge erforscht, sich durch kilometerlange Regale, mit längst vergessenem Bestand, kämpft, um am Ende triumphierend aus den dunklen unterirdischen Magazintiefen des alten Bibliotheksgewölbes, mit der gesuchten Rarität in der Hand, zurückzukehren. Na gut, das ist jetzt vielleicht eine etwas stark romantisierte Darstellung bibliothekarischer Arbeit, aber alleine die Vorstellung alter Bücher (geschweige denn Inkunabeln, von denen die NLS auch einige besitzt) reicht bei mir schon aus um das auszulösen. 

Am Donnerstagnachmittag durfte ich mir selbst ein Bild von der NLS machen, als mich Lydia und ihre Betreuerin Almut, die Leiterin der Musikabteilung, durch ihre heiligen Hallen führten.

Natürlich sind die Magazine mit dem Bestand nicht einfach so für Benutzer betretbar. Dafür ist die NLS mit Lesesaälen und entsprechendem Equipment ausgestattet, in denen die Nutzer brav das Buch, das sie nutzen möchten, im Katalog suchen und an der Theke bestellen. Fremde Bücher müssen ganz artig in gratis bereitgestellten durchsichtigen Plastiktüten (O ein kostenloses Souvenir!) vorgezeigt werden. 

Ich durfte von den Lesesaälen leider nur Ecken ohne Benutzer fotografieren. Das ist so Eine davon.



Doch genug von schnöden Lesegeräten für Mikromaterialien. Auf ins Magazin! Die Fahrstuhlanzeige ist zuerst ein wenig verwirrend. "Hä, ich bin doch durch die Vordertür gekommen, wieso steh'n wir denn im 13. Stock?" Nix mit Minusetagen! Der NLS wurde nach ihrer Gründung ihr eigenes Gebäude gebaut (im Zeitraum von 1938 bis 1956) und sie bekam in den 1980ern sogar noch ein Weiteres. Der Haupteingang ist auf der George IV Brücke gelegen und damit anscheinend tatsächlich 13 Etagen über der eigentlich Straße. Die Magazine befinden sich nur wenige Etagen tiefer.

Auf engstem Raum gepackt stehen die Magazinregale gerade so, dass entweder ein Mensch oder ein Buchwagen in die Lücken passt. (Wodurch sich ganz von selbst lustige Knobel und Puzzlespiele ergeben, wenn mal mehrere Leute an den Regalen arbeiten.) Stolz präsentierten mir Almut und Lydia eine kleine Auswahl an den Raritäten der Musiksammlung: Wie z.B. alte Programmhefte; Viktorianische Notenhefte mit kitschig bunten Titelblättern; Wachszylinder und eine überdimensionale Schellackplatte. Der Gang durch das Magazin offenbart dann auch gleich das nächste Spielchen, in dem man solange alle von der Decke ragenden Schnüre zieht bis man die gefunden hat die tatsächlich das richtige Licht an/aus macht.

In Lydias Büro steht dann auch tatsächlich noch ein alter Zettelkatalog... ach nein 'tschuldigung zwei... oder doch drei... und was sind das für kleine Bücher??? Almut weihte mich dann geduldig in die Funktionsweise und Zusammenhänge der einzelnen Kataloge ein. (Wovon ehrlich gesagt ziemlich wenig bei mir hängen geblieben ist, ich habe das ganze System nicht so ganz durchschaut.)

Nach einen kleinen Kaffeeklatsch schaute ich mir noch die (durchaus lohnenden) Ausstellungen in der NLS an und danach zeigte mir Lydia noch ein wenig die Stadt. Doch mein Eindruck von Edinburgh möchte ich für ein anderes Mal aufheben, denn am Samstag würde ich die Stadt erneut besuchen.

Ein Buch. Ein Sarg. Ein Grammophon.


Beeinflusst von der Führung durch die NLS, unterzog ich meine Vorstellung von bibliothekarischer Arbeit in einer Nationalbibliothek einer leichten Korrektur und verabschiedete ich mich von Lydia, in dem Wissen, dass sie auch morgen wieder die Geheimnisse alter Zettelkataloge erforscht, sich durch kilometerlange Regale, mit längst vergessenem Bestand, kämpft, um am Ende triumphierend aus dem dunklen unterirdischen Magazintiefen der alten Bibliotheksgewölbes, mit der gesuchten Rarität in der Hand, zurückzukehren.

All you need is law.


Der nächste Stopp auf meiner Wochentour war eine kleine Spezialbibliothek in der Anwaltskanzlei/Investmentfirma Turcan Connell

In den Vereinigten Königreichen gibt es nicht nur ein Rechtssystem, sondern drei: schottisches Recht, englisches Recht und nordirisches Recht. Das schottische Recht beruht, im Gegensatz zum englisches Recht, darauf, dass man sich auch auf alte Gesetze berufen kann um vor Gericht Recht zu bekommen. Deswegen sammelt die Bibliothek von Turcan Connell auch juristische Publikationen bis hin zum 18. Jhd, die für die Arbeit der Firma essentiell sein könnten.

Die Bibliothekarin der juristischen Spezialbibliothek verpasste mir einen kleinen Crashkurs in Rechtsgeschichte, in dem ich u.a. erfuhr, dass die frühere schottische Pflichtexemplarsbibliothek bis zur Gründung der schottischen Nationalbibliothek die sogenannte Advocates Library der Faculty of Advocates war und dass deren nicht juristischer Bestand dann auch in den Besitz der National Library überging. Die Faculty of Advocates bekommt allerdings weiterhin juristische Publikationen als Pflichtexemplare zugesandt. Die zweite wichtige juristische Bibliothek in Schottland ist die Signet Library der Society of Writers to Her Majesty's Signet.

Der Großteil der zu leistenden Arbeit in dieser Bibliothek ist tatsächlich die Recherche für Mitarbeiter. Diese streckt sich bis hin zu solchen Fragen wie: "Warum laufen auf Grundstück X die Eisenbahngleise durch die Mitte, anstatt am Rand des Grundstücks?" Die fleißige Bibliothekarin sucht dann solange bis sie herausfindet, dass der Inhalt des Gesetzes Y aus dem Jahr Z dieses dem Grundstückseigentümer so erlaubt hat. Man sollte zwar meinen, dass ach-so-schlaue Anwälte ihre Recherchen selbst erledigen würden, aber gut zu Wissen, dass Leute, die keine eigenen Recherchen anstellen möchten immer einen Arbeitsplatz für unsereins schaffen müssen.

Nächster Halt: National Library of Scotland

Dienstag, 9. Juli 2013

Libraries on tape?

oder

How to Run a Television Media Library


[An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass es mir nicht gestattet ist Bilder, der besuchten Einrichtungen, auf meinem Blog zu verwenden. Eure Vorstellungskraft muss euch leider genügen.]


Was machen Fernsehsender mit ihrem gesendeten Material? Die Antwort der sechziger und siebziger Jahre war leider: löschen oder überspielen. Erst mit den Achtzigern, als Kassetten für das Beta-Format immer günstiger produziert werden konnten, kam der Gedanke auf, so viel gesendetes Material wie möglich zu archivieren. Das braucht Platz. Und dann ist da noch das Problem mit dem Format. Bleibt man bei Beta oder doch lieber VHS? Oder lieber eines der in den Neunzigern aufkommenden Formate, wie die futuristisch benannte Laserdisk? Video-CD? DVD? Blu-Ray? Diverse magnetische Bänder? Digital?

Am Mittwoch hatte ich den ganzen Tag Zeit mir diese Fragen beantworten zu lassen, als ich langsam den Glasgower Hafen (Nein, das ist kein Pub im Rotlichtviertel) ansteuerte. Die "Bibliothekare" von STV und BBC Scotland  haben mich freundlich empfangen um ihr "geheimes Wissen" mit mir zu teilen. Interessant war das beide Fernsehsender darauf bestanden, dass es sich um aktiv genutzte Bibliotheken handelt, anstatt es als Archiv zu bezeichnen. Tatsache ist, dass die Medienbibliotheken der Sender stark von journalistischen Anfragen frequentiert werden.


Beta, besser als DVD?


Da STV sich großteilig durch Werbeeinnahmen finanziert und auch nicht wirklich als großer Fernsehsender bezeichnet werden kann, war es STV bisher noch nicht möglich eine digitale Bibliothek aufzuziehen. (Mir wurde versichert, dass sich das innerhalb der nächsten zwölf Monate ändern wird.) Das ganze Material wird auf Beta-Video-Kassetten gelagert. Die Ausstrahlungen erfolgen allerdings digital in einem HD-Format. Das heißt für die Mitarbeiter, die Material benötigen: rechtzeitig Bescheid geben, einlesen und ... warten. Denn Videobänder in ein digitales Format zu überspielen und umgekehrt dauert genau so lange wie sich das Material anzusehen. Es kann nur in Echtzeit überspielt werden.

Das neue Bild- und Tonmaterial kommt (meist) schon in digitaler Form von den Filmkameras und kann direkt am Rechner bearbeitet werden. Die sogenannten Rushes (das Rohmaterial für Nachrichtenbeiträge) muss beim Katalogisieren mit Timecode indexiert werden. Dazu müssen ALLE Rushes durchgesehen werden, auch wenn nur ein Drittel des gefilmten Rohmaterials als archivwürdig deklariert und so zusammen geschnitten wird. Natürlich bevorzugt jeder Sender seine eigenen Katalogisierungsregeln, aber mir wurde erklärt, dass diese sich in den meisten Fällen sehr nahe am Archivregelwerk für ISAD(G) bewegen.

Obwohl die Arbeit mit Beta-Kassetten durch das zeitaufwendige überspielen heutzutage viel zu umständlich ist, besitzt das Beta-Format eine erstaunlich gute Bildqualität und die aufgespielte Inhalte bleiben länger erhalten als bei VHS-Kassetten, DVDs oder Video-CDs.


Digital und dann trotzdem Band?


Das Gebäude der BBC Scotland ist von außen gesehen erstmal wenig interessant: ein riesiger Glasblock am Wasser, der geradezu "Bürogebäude" schreit. Innen begegnet einem allerdings erstmal ein anderer Eindruck. Eine gewaltige Treppe aus rotem Sandstein (für den die alten Glasgower Gebäude berühmt sind) türmt sich als zentraler Versammlungsplatz in der Mitte des Gebäudes auf. Diese wurde vom Architekten so designed, dass sie von oben eine ähnliche Ansicht vermittelt wie sein Lieblingshügel in Italien.

Alle Büroräume sind am äußeren Rand verteilt und deren Besetzung wild durcheinander gemischt um Kommunikation unter den Abteilungen zu fördern. Die Bezeichnung für die Mitarbeiter, die sich um die digitale Medienbibliothek kümmern ist Media Manager oder Media Coordinator, und die benötigten Skillsets für diese Jobs schreien geradezu nach FaMIs. Die Media Manager katalogisieren, so wie schon oben erwähnt, das gesamte digitale Bild- und Tonmaterial. Ja, BBC Scotland ist, im Gegensatz zum Rest der BBC, mit kompletter digitaler Medienbibliothek ausgestattet.

Alle Dateien liegen in diversen gängigen digitalen Formaten vor und der Player der Katalogs- und Verwaltungssoftware der BBC Scotland muss diese alle lesen können, um zum Katalogeintrag auch eine Vorschau liefern zu können. Weiterhin muss dieses System auch Schnittstellen für Bild- und Tonbearbeitungssoftware aufweisen. (Avid scheint wohl die am häufigsten genutzte Softwaresuite zu sein.)

Am wichtigsten war mir an diesem Punkt allerdings die Frage: Wie handhabt die BBC Scotland die Langzeitarchivierung für digitales Material. Nun, nachdem das aufzubewahrende Material zusammengeschitten wurde, wird es von den Festplatten auf sogenannte LTO-Bänder überspielt. Und zwar zwei mal! Falls mal ein Band irgendwie zerstört wird. Die Bandanlage ist ein eigener Raum, der strikt nur von einem Roboterarm bedient wird. D.h. sofern nichts schief geht: NO HUMANS!


Den Rest des Tages ließ ich dann eher gemütlich im Kelvingrove Park ausklingen.

Montag, 8. Juli 2013

When work equals leisure, it sure becomes pleasure

Schluss mit den Headquartern! Schluss mit Büroalltag! Schluss mit Lagerhallenfeeling und Kuchenüberdosis zur Teestunde! Es wird Zeit die Bibliothekswelt außerhalb des Stirlingshires näher zu inspizieren!

Freut euch auf die Posts der nächsten Tage in denen so spannende Fragen behandelt werden wie:
"Darf man noch Bibliothek sagen, obwohl es nicht um Bücher geht?"
"Was verbindet das Gebäude von BBC Scotland mit Italien?"
"Wen fragen Anwälte, wenn sie selbst keine Ahnung von Gesetzen haben?"
"Ist das die richtige Schnur?"
"Wann ist Kunst ein Buch und ein Buch Kunst?"
"Wo bleibt der Halbzeit(!!!)eintrag?"
"Isst man einen frittierten Mars-Riegel mit oder ohne Essig?"
und die natürlich allseits beliebte Frage
"I didn't quite get what it is you're doing. Are you a university student?"

Wie Friedrich Luft zu sagen pflegte: Gleiche Stelle. Gleiche Welle.


Sonntag, 7. Juli 2013

"Off the Page", yet still on photo

Das Stirlinger Buchfestival Off the Page läuft leider erst an, wenn ich zu Hause so langsam die Qual...äääh...Freuden des Lernens für die Abschlussprüfung kennenlernen werde. Das ganze Festival wurde von Bibliothekarinnen der Stirling Council Libraries hochgezogen und läuft gegen Ende parallel mit Veranstaltungen des Krimi-Buch-Festivals Bloody Scotland, in dessen Rahmen u.a. auch so Größen, wie Jo Nesbø nach Stirling kommen. Die involvierten Bibliothekarinnen sind natürlich zu Recht stolz auf diese große organisatorische Leistung und haben sich am Dienstag deswegen zum Fotoshootig am, auf und im Wallace Monument getroffen... und ich musste natürlich mit aufs Foto. Widerrede zwecklos!

Wie konnte es auch anders kommen? Der Tag des Fotoshootings, wurde der schottischte den ich bisher erleben durfte: Grauer Himmel, eine Wolkendecke die sich von oben herab bis auf die Spitzen der Ochil Hills erstreckte, peitschender Wind, Regen in all seinen Variationen und soviel William Wallace und Robert the Bruce Propa...äääh...Informationen, wie ich nur aufsaugen konnte.

Das erste Foto wurde werbewirksam, mit Monument im Hintergrund und Festivalbroschüre in der Hand, noch am Fuss des Gebäudes geschossen. Das Zweite sollte auf der Spitze entstehen. Ich wollte ja schon seit Tag eins mal auf das Türmchen kraxeln und so blieben mir die horrenden Kosten von £8.50 erspart. 246 Treppen und diverse Fotos später realisierte auch der Letzte, dass stürmischer Wind und gut sitzende Frisuren nicht miteinander vereinbar sind...  Und ich machte erstmal gemütlich mein Touri-Foto:


*Knipps*



Natürlich musste ich mir nach der ganzen Treppensteigerei auch noch die entsprechende Urkunde besorgen. Das "muss" meine ich wirklich so: Mir wurden von meinen Kollegen 50p in die Hand gedrückt  und ich wurde Richtung Shop dirigiert, damit ich zu Hause auch was zum an die Wand hängen hab. Und so sieht das "gute" Stück dann aus:

Beweis, dass ich ganz toll bin.

Jetzt harre ich nur noch gespannt den fertig entwickelten Aufnahmen.

Sonntag, 30. Juni 2013

Glasgow-a-Go-Go

Rudi und David waren fast die ganze letzte Woche auf Radtour und ich hatte die riesige Bude für mich selbst. Das Wetter war grau und so ziemlich fast alles Interessante, das man nach der Arbeit ablaufen kann, war nach zwei Wochen sowieso schon ausgiebig inspiziert worden. Also verbrachte ich meine Nachmittage mit Tee und Büchern. Doch langsam wurde mir das Kleinstadtflair Stirlings zu viel und ich wollte eine Abwechslung: Glasgow!

Unter Glasgow stellt man sich ja im Generellen einen ziemlich heruntergekommen Industriemoloch vor, dessen Bewohner in dreckigen Arbeitervierteln leben müssen. - Naja, vielleicht sollte man bei diesem Klischee-beladenen Bild merken, das dies wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht. Tatsache ist: Glasgow is awesome! Zusammen mit Lydia, die ja derzeit in Edinburgh gestranded ist, machte ich mich daran am Samstag mein Klischeebild von Glasgow vom Tisch zu fegen.

Von Street-Art und anderen Kuriositäten

Verlaufen kann ich mich auf den Straßen Glasgows ganz leicht. Das ist aber gar nicht so schlimm denn alleine schon die Glasgower Straßenmusiker sind echt ein kleines Highlight für sich. Auf der Buchanan und Sauchiehall Street, die hier praktisch die Einkausmeile bilden, tummeln sich von schottischen Mittelalterbands, über Gitarristen mit Herz-Schmerz-Liedern bis hin zu Hip Hop und Break-Dance so viele Muskier, dass man manchmal kein Wahl hat als mehreren gleichzeitig zuzuhören.

Auch die ganzen Seitengassen beherbergen immer mal wieder versteckte Schätze: von Restaurants bis hin zu Märkten oder einfach nur kuriosen Shops. 

 

Mackintosh mal ohne Apfel

Jugendstilarchitekt Charles Rennie Mackintosh hat hier in Glasgow so einige Spuren hinterlassen. Lydia und ich waren uns über das erste Ziel unseres Ausflugs sofort einig:

The Willow Tearooms... sind klein und eng. Sehr hübsch designed (ich mag Jugendstil ja sowieso!) aber halt.. auch sehr funktional. Zum Glück wurden wir nicht an den einzig freien 2-Personen-Tisch platziert (den hatte wohl irgendwein armer Tölpel reserviert), denn dieser stand genau am Durchgang in die zweite Etage und hätte dafür gesorgt, dass wir reichlich Rucksäcke vorbeigehender Gäste ins Gesicht bekommen hätten. Stattdessen hatten wir den Luxus eines "geräumigen" 4-Personen-Tisch.

Earl Gey, Carrotcake, Shortbread und Scones. So lässt sichs doch Leben.
Die Glasgower Architektur ist teilweise so wild durcheineander gewürfelt, dass man gar nicht weiß wo man zuerst hinsehen soll. Aber da ich den (teilweise doch schon sehr schäbigen) 60er Jahre Bauten wenig abgewinnen kann konzentrierte ich mich lieber auf die alten Gebäude.

♥ ♥ ♥ ♥ ♥


Die Stadt in der Stadt


Ein absolutes Highlight war der Besuch der Nekropolis neber der Glasgow Cathedral. Diesen Namen hat der Friedhof auch mehr als verdient und das nicht nur wegen seiner Größe. Ein ruhiger und friedlicher Ort. Definitv Wert mehrmals besucht zu werden

The Chipy Doon the Lane

Wer in Groß-Britannien ist muss Fish'n'chips essen. Das weiß ja jeder! Aber Fish'n'chips ausm Imbiss am Straßenrand in einer Pappbox mit ner Holzgabel essen? Das geht doch besser!

Dafür gibt's in Glasgow The Chippy Doon the Lane. Hier kann man Fish'n'chips in gepflegter Restaurantatmosphäre  in einer Pappbox mit ner Holzgabel essen!

Glasgow fühlte sich ein wenig wie the home away from home an und wenn es sich zeitlich einrichten lässt werde ich hier die nächste Woche über wohl noch öfters mal aufschlagen.

The long arm of the library.

Outreach Services

Dies ist die Letzte der großen Abteilung, denen ich hier im Inneren der Headquarters für eine ganze Woche zugeteilt werde. Das Ziel der Outreach-Abteilung ist es die Menschen zu erreichen, die es mit eigenen Mitteln nicht schaffen die Bibliotheken zu erreichen; sozusagen der ausgestreckte Arm der Bibliotheken.

Die Outreach-Abteilung, verwaltet einen eigenen Bestand, der von Freiwilligen, Pflegern und den Mitarbeitern der Abteilung, an pflegebedürftige Menschen ausgeliefert wird. Der Bestand besteht hauptsächlich aus Hörbüchern und Büchern in Groß- und Normaldruck (inkl. ellenlange Reihen aus Cowboy-Geschichten und Schnulzenromanen). Auch spezielle Abspielgeräte für Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen für die Hörbücher werden auf Wunsch zur Verfügung gestellt. (Leider sind diese Abspielgeräte ohne Brailleschrift und damit nicht komplett blindentauglich.)

Doch die Outreach-Abteilung macht noch mehr als nur für die älteren oder pflegebedürftigen da zu sein, denn die Aufgabe der Outreach-Abteilung ist es sich Gedanken zu machen, welche Menschen nicht voll von Bibliotheken profitieren können und wie man das ändern kann. So gibt es immernoch einen hohen Anteil der erwachsenen Bevölkerung, deren Lesefähigkeit nicht besonders gut ist. Die Outreach-Abteilung koordiniert mit Bibliotheken vor Ort sogenannte adult reading groups, also Lesekreise, die sich speziell mit dem Ziel der persönlichen Leseförderung treffen. Dazu zählen auch, aber nciht nur, Menschen mit Behinderungen oder anderen physischen/mentalen Beeinträchtigungen. Zu dem Zweck besitzt die Outreach-Abteilung einen Bestand an Sätzen von populären Büchern miy vherschiedenen Schwierigkeitsgraden und Länge. Ziel ist es, dass den Förderungsbedürftigen das Lesen Spaß machen soll, aber das die Texte trotzdem anspruchsvoll genug für die Gruppe sind, um nach dem Lesen noch für Rede- oder Diskussionensstoff zu sorgen.

Die Arbeit der Outreach-Abteilung zeigt deutlich auf, dass die soziale Komponente in der Öffentlichen Bibliotheksarbeit in Schottland ein fester Bestandteil ist, und erreichbar zu sein heisst hier mehr als nur die Bibliothekstür für die Nutzer zu öffnen.

Networking?

Montag war mein erster Tag in der Outreach-Abteilung und dieser startete sogleich mit einer Konferenz zum Thema Demenz am Dementia Centre der Universität Stirling. Stirling hat es sich zur Aufgabe gemacht die erste Demenz-freundliche Stadt in Schottland zu werden, und das heißt harte Aufklärungsarbeit und vor Allem: Kontakte knüpfen! Diverse Freiwilligen-Organisationen, Pflegestellen, Nachbarschaftshilfen, städtische/staatliche Einrichtungen und Universitätsmitarbeiter trafen sich zu einem großen Meet-and-greet, wo Jeder fröhlich mit Jedem darüber quasseln soll, was er alles zur Förderung dieser Idee beträgt und schön Telefonnummern austauscht.

Der Vormittag gestaltete sich hauptsächlich dadurch, sich diverse Reden zu Ursachen, Umgang und Bedürfnissen der Betroffen anzuhören. Sehr interessant dabei fand ich den Beitrag von Niall McLaughlin, einem Architekt, der ein Pflegeheim, mit diversen Gärten, designed hat und die Aspekte Demenz-freundlichen Wohnens beleuchtete. Das Hauptaugenmerk sollte bei Demenzkranken nämlich darauf liegen sie so lange wie möglich in einem bekannten Umfeld leben zu lassen. Aber eine Demenz-freundliche Stadt heißt vor Allem community-effort, also das Engagement eines Jeden und Integration von Demenzkranken in soziale Projekte. Aus diesem Grund wurden auch alle Teilnehmer aufgefordert ein schriftliches Versprechen abzugeben, wie sie die Idee des Demenz-freundlichen Stirlings umsetzen wollen.

In der Mittagspause begann dann das Networking, aus dem ich mich schön Außen vor ließ, während Liz und Morag fleissig "connections" pflegten. Der Höhepunkt, dieses Treibens stellte dann für mich doch die Fernsehkamera da, die in mein Gesicht geschoben wurde als ich nach meinem persönlichen Versprechen für ein "dementia-friendly Stirling" gefragt wurde. Mit einem halben Sandwich im Mund lehnt ich es dankend ab gefilmt zu werden und verzog mich hinter den Stand der Bibliothek.

Es folgten dann noch einige weniger erwähnenswerte Workshops und Abschlussgespräche.

Durchaus ein sehr interessanter Tag und hilfreich um Verständnis für die Situation Demenzkranker zu entwickeln. Das Konzept einer Demenz-freundlichen Umgebung ist eines das in Stirling und anderen Kleinstädten sicherlich mit viel Arbeit erreichbar sein kann aber auch leider eines, das auf Großstädte schwer umzusetzen sein wird.

Montag, 24. Juni 2013

Just a model?

Battery exhausted. - Diese Hiobsbotschaft verkündete mir meine Kamera fröhlich während ich mich am Samstag entlang des Flusses Teith von Deanston aus Richtung Doune bewegte.


Der letzte Schnappschuss vor dem Batteriekollaps.

Leicht verärgert über die Kurzlebigkeit meiner Batterien, aber noch sehr erheitert durch die Whiskeyverkostung, stapfte ich im, plötzlich hereinbrechenden, Regen, über die Brücke und immer die Straße entlang, durch die Ortschaft Doune, die im Gegensatz zu Deanston, zwar ganz hübsch anzusehen aber auch keinen Deut größer ist. Doch der Ort war ja nicht mein eigentliches Ziel, denn ich befand mich auf einer Pilgerreise nach...



Naja fast. Doune Castle diente als einer der Schauplätze für Monty Python and the Holy Grail und fast alle Szenen, in denen irgendwie eine Burg vorkommt, wurden hier gedreht, denn der National Trust for Scotland verbot die Dreharbeiten bei den meisten anderen Burgen, die Monty Python für ihren Film nutzen wollten. So musste Doune Castle für diverse fiktive Burgen im Film modellstehen.
Allerdings konnte ich mich nicht vollen Herzens dazu durchringen hierfür mal wieder Eintrittsgeld hinzublättern, besonders da mir schon im vorraus erzählt wurde, dass mich im Inneren wenig historisches über die Burg, sondern mehr eine Art Monty Python Fanmuseum erwartet. Mir war nur wichtig wenigstens einmal den Drehort des Kultfilms gesehen zu haben, wenn ich schonmal hier bin.

Auch der beliebte Wanderpfad entlang des Flusses wurde besichtigt. An diesem empfand ich allerdings nur die Stelle als wirklich bemerkenswert an der man auf einem winzigkleinen Kieselsteinstrand stehen kann, während der Fluss Teith seelenruhig in absolutem Schneckenempo an Einem vorbeifliesst, um dann wenige Meter weiter vorne durch den hinzuströmenden Ardoch Burn aufgewühlt zu werden. Eine Stelle die auch einige Reiher nuzten um hier auf Fischfang zu gehen.

Leider hinterlies der plötzliche Regenschauer dieses Tages, trotz angemessener Kleidung, bei mir mehr als nur ein paar nasse Füße und mein, für Sonntag geplanter und sehnlichst erwarteter, Ausflug in den Trossachs Nationalpark (oder zumindest dem Teil des Parks derfür mich noch gut erreichbar ist) sollte fürs erste flach fallen. Aber wenn man schon irgendwo einen kompletten Tag nur mit Teetrinken verbringen muss um seine Batterien wieder aufzuladen, dann ja wohl in Großbritannien.

Sonntag, 23. Juni 2013

The angel's share

Was wäre ein Aufenthalt in Schottland ohne den Besuch einer Whiskeybrennerei und die Deanston Distillery wurde mir von meinen Arbeitskollegen wärmstens empfohlen.

Der Ort Deanston an sich wäre ohne die Brennerei alleine sicherlich keinen Besuch wert. Im Gegensatz zu den schottischen Ortschaften die ich bisher besuchen konnte, wirkt Deanston sehr trist und wenig einladend. Auch das Backsteingebäude der Brennerei macht von außen erstmal wenig her. Aber das soll sich innen noch ändern.

Die Luft um die Brennerei riecht süßlich ... wie Honig... und irgendwie fruchtig, ein wenig nach Banane und vielleicht auch Apfel.

Ich betrete das Besucherzentrum der Brennerei: Whiskeygläser aus Krystallglas; federleichte Hornschalen, die fast aussehen wie ein Quaich. Die Versuchung, wie verrückt Geld auf den Kopf zu hauen, ist hier ebenso groß, wie bei meinem ortsansässigen Kiltschneider in Stirling. Doch erstmal will ich mich mit der Führung zufrieden geben.

Deanston ist unter den Whiskeybrennereien etwas ganz besonderes. Zum Einen ist es die südlichste Brennerei die noch behaupten darf Highland Whiskey hersustellen und zum Anderen hat die Brennerei nicht als solche angefangen, sondern war früher eine Baumwollmühle.  Die beiden Wasserräder die früher die Mühle angetrieben haben, wurden mittlerweile durch Turbinen ersetzt. Ja, die Deanston Brennerei produziert ihren eigenen Strom und zwar mehr als für die Brennerei alleine notwendig ist, weshalb 75% der Stromproduktion ins öffentliche Netz gespeist werden.


Die Deanston Brennerei ist auch sehr stolz darauf alles noch in "Handarbeit" zu machen und ihren Whiskey nach traditionellen Methoden herzustellen, obwohl die Brennerei tatsächlich erst 1965 zum ersten Mal als solche in Betrieb genommen wurde. Sie ist auch eine von nur vier Brennereien in Schottland, die noch mit einem offenen Maischebottich arbeitet.

Nachdem das Gerstenmalz gemahlen wurde, wird es im offenem Maischebottich mit heißem Wasser angesetzt.

Die Gärtänke verströmen einen angenehmen süßen Geruch.


Die Form der Brennblase ist maßgeblich für den Geschmack des Destilats.

Für den Deanston Whiskey werden ausschließlich ehemalige Bourbon Fässer aus Kentucky genommen.

Mindestens 3 Jahre und ein Tag muss Whiskey gelagert werden, bevor er sich so nennen darf.

Ausserdem wurde in der Brennerei der Film "Angel's Share" gedreht, der, wie mir versichert wurde, "a very Scottish film" ist. The angel's share, ist übrigens der Anteil am Whiskey, der während der Lagerung in den Holzfässern über die Zeit verdunstet und das können immerhin bis zu 2% sein. Ganz schöne Schluckspechte, die schottischen  Engel.



Zum Abschluss der Tour wurde mir dann im Verkostungsraum noch beigebracht, wie man Single-Malt Whiskey richtig zu trinken hat. Angetan von der Tour und dem überraschend milden Whiskey machte ich mich weiter auf die Socken. Denn die Ortschaft Doune liegt praktisch auf der anderen Seite des Flusses und hält noch ein Ziel für mich parat, das ich mir nicht entgehen lassen will.